Geschichten von Liebe, Schicksal und Tod -
 
Margaret ("Maggie") Pershing Hartford Gioberti Channing
 
 
Eine Charakteristik von THOMAS J. PUCHER
basierend auf einer Charakterstudie von JOANNA COONS

 
 

Maggie. Niemand und nichts h├Ątte besser beschreiben k├Ânnen, wer sie war. Ihr Vorname reichte aus. Margaret bedeutet "Perle". Maggie war wirklich eine Perle. Sie war eine wundersch├Âne Frau; selbst als sie ├Ąlter wurde, war sie noch genauso attraktiv wie fr├╝her.

Sie war noch jung, als sie ihre Eltern bat, Chase Gioberti heiraten zu d├╝rfen, den sie eben erst kennengelernt hatte. Aber sie konnte Paul und Margaret ├╝berzeugen, dass sie einen guten Schwiegersohn bekommen w├╝rden. Au├čerdem blieb sie ja in New York wohnen und konnte somit jederzeit ihre Eltern und Terry besuchen.

Terry - das war eine Schwester. Maggie hatte mit ihr eine lustige Kindheit. Sie war genau das Gegenteil von ihr: frech und lebendig. Maggie war eher ruhig und h├Ąuslich.

Sie schenkte Chase zwei Kinder: Cole und Vickie. Sie hatte es nicht leicht, denn Chase war f├╝r f├╝nf Jahre in Vietnam; zu dieser Zeit musste sie ihre Kinder alleine erziehen. Aber Maggie hatte Freude an ihren Spr├Âsslingen. Ihr gefiel es, eine Familie zu haben. Und au├čerdem hatte sie noch eine kleine Nebenbesch├Ąftigung: Sie schrieb Artikel f├╝r verschiedene Magazine und Zeitungen. Somit war sie voll ausgelastet. Maggie war wirklich beneidenswert. Sie schaffte es, erfolgreich im Beruf zu sein und dennoch ihre Kinder nicht zu vernachl├Ąssigen.
Auch als Chase aus Vietnam zur├╝ckkehrte, war sie viel auf sich allein gestellt, denn Chase war selten zu Hause, da er Pilot bei einer gro├čen Fluggesellschaft war. Aber sie blieb ihm immer treu, so lange sie auch auf ihn warten musste. Ihre Ehe war rundum gl├╝cklich. Sie konnte sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass sich einmal alles anders ergeben w├╝rde.
Es kostete sie viel ├ťberwindung, mit Chase New York zu verlassen und nach Kalifornien zu gehen. Sie liebte New York, aber sie liebte auch den Traum ihres Mannes, ein Weingut im Tuscany Valley zu bewirtschaften. Es war ein wirklich sch├Âner Ort f├╝r die Familie. Das Tal begann ihr zu gefallen, auch wenn da immer die Streitereien mit Chases boshafter Tante Angela waren, die nicht verkraften konnte, dass Chase nach dem Tod seines Vaters nun einmal Miteigent├╝mer von Falcon Crest war. Maggie richtete das Haus ein, versorgte Mann und Kinder. Sie war eine fabelhafte Hausfrau.
Das aufregende Stadtleben in New York zu verlassen war jedoch auch eine gro├če Umstellung f├╝r Maggie. Auch sie suchte nach ein wenig mehr Selbstverwirklichung und schrieb ein Drehbuch, w├Ąhrend ihr Mann stundenlang in den Weinbergen arbeitete. Niemand achtete besonders darauf, au├čer dem Filmproduzenten Darryl Clayton, dessen Lob f├╝r Maggies Schreiberei, die nach Aufmerksamkeit lechzte, ihr Ego s├Ąttigte und ihr die Einsamkeit erleichterte, die dadurch entstanden war, dass ihr Ehemann von seinen Gesch├Ąftsinteressen vereinnahmt wurde. Doch all das geschah nach Plan - nach Angelas Plan; eine verschlagene Intrige, um die Ehe der Giobertis zu zerst├Âren. Angela versorgte Clayton mit einer kr├Ąftigen Finanzspritze, die er Maggie unter die Nase halten sollte, um zahllose ├ťberarbeitungen an dem Drehbuch vorzunehmen, bevor es in Produktion h├Ątte gehen k├Ânnen. Maggie zog also zeitweise nach Los Angeles und war so aufgeregt, dass sie alles getan h├Ątte, um ihre Tr├Ąume von der Filmwelt am Leben zu erhalten. So genoss sie jeden Bissen von Angelas vergiftetem Dessert. Chase bedauerte bald, dass er seine Frau ermutigt hatte, nach L.A. zu ziehen. Die ├ťberarbeitungen des Drehbuchs, die eigentlich nur ein paar Tage dauern sollten, verschlangen Wochen, und Chases Abwesenheit setzte Maggie Claytons Umgarnungen aus. Sie f├╝hlte sich zu dem Produzenten hingezogen, da er der einzige zu sein schien, der ihre Bed├╝rfnisse verstand. Von einer Aff├Ąre war sie jedoch weit entfernt, denn sie erkannte im richtigen Moment, was Sache war, und kehrte zu Chase zur├╝ck. Ihre Ehe war wieder in Ordnung.
Eine Zeitlang brachte jedoch Maggies Entscheidung, eine Arbeit als Reporterin bei Richard Channings Zeitung anzunehmen, die beiden Eheleute gegeneinander auf. Chase und Richard waren sich zu oft in die Quere gekommen, als dass Chase dessen Stellenangebot anders als gef├Ąhrlich einsch├Ątzen h├Ątte k├Ânnen. Aber Maggie wurde zwangsl├Ąufig von dem geheimnisvollen Mann angezogen. Irgendwie war eine unausgesprochene Vereinbarung zwischen ihnen geschlossen worden, und jeder wusste, dass sie immer f├╝reinander da sein w├╝rden.
Auch mit ihrer Schwiegermutter kam sie gut aus. Nach ihrem Tod erbte sie deren Schmuck und Pelze. Da befasste sie sich mit der Vergangenheit ihrer Schwiegermutter und stellte schockiert fest, dass diese ihr Verm├Âgen als Verb├╝ndete der Nazis gemacht hatte. Aber sie nahm sich nicht die Freiheit, zu richten. Denn sie wusste, dass sie kein Recht dazu hatte, auch wenn sie selbst einen moralischen Lebenswandel hatte.
 
Maggies Leben war vom Schicksal gepr├Ągt.
Endlich hatten sich die Wogen gegl├Ąttet, endlich konnten Chase und sie einmal ein wenig aufatmen, doch da kam der Schock: Diagnose Gehirntumor. Maggie hatte sich untersuchen lassen, weil sie ab und zu an Kopfschmerzen litt und Schwindel sie manchmal plagte. Sie war dem Verzweifeln nahe. Aber sie war auch eine K├Ąmpfernatur; so leicht gab Maggie nicht auf. Sie musste sich zwischen Bestrahlung und Operation ihres Krebsleidens entscheiden. Sie lehnte zuerst die Operation ab, um die Zeit, egal wieviel ihr noch bleiben sollte, mit ihrer Familie zu verbringen. Doch nach und nach ver├Ąnderten Chases Liebe und ihr ├ťberlebenswille ihre Geisteshaltung. Sie setzte alles auf eine Karte und w├Ąhlte den einzig richtigen Weg: eine neue mikrochirurgische Technik, die Chases Cousin Dr. Michael Ranson einwandfrei beherrschte. Sie entrann dem Tod und war wieder gl├╝cklich.

Sie war Mitte vierzig, als sie auf abscheuliche Weise damit konfrontiert wurde, dass sie ein Adoptivkind war. Ihre Adoptivmutter war schon seit mehreren Jahren tot, aber zu ihrem Vater, den sie immer sehr liebte, bestand pl├Âtzlich eine gro├če Kluft. Richard Channing, der eine ├Ąhnliche Kindheitsgeschichte hatte, half ihr dabei, ihre leibliche Mutter zu finden. Maggie verstand sich gut mit Charlotte Pershing. Sie verstand, dass Charlotte sie in jener Zeit nicht ohne Mann h├Ątte erziehen k├Ânnen - Maggies leiblicher Vater Oliver Donovan war im Zweiten Weltkrieg gefallen. Nicht einmal, als Charlotte sie in ihrer Wettleidenschaft bestahl, war sie b├Âse. Maggie war immer verst├Ąndnisvoll. So sehr sie aber ihre leibliche Mutter auch mochte, sie blieb immer nur eine Freundin f├╝r Maggie.

Sie erkannte tief im Inneren ihres Herzens, dass Margaret und Paul ihre "richtigen" Eltern waren, Eltern, die ihr Liebe und Geborgenheit gaben. Sie war von Herzen froh, Paul Hartford nicht verloren zu haben.
 
Gerade, als ihr Leben sich wieder zu normalisieren begonnen hatte und sie zur Herausgeberin der gro├čen Zeitung The New San Francisco Globe gew├Ąhlt worden war, ├╝berraschte sie Chase mit seiner Assistentin Connie Gianinni. Die Lippen ihres Mannes und dieser Frau klebten f├Ârmlich aneinander. Maggie dachte sofort an Scheidung. Rache an Chase machte sie gl├╝cklich, obwohl sie sonst so liebensw├╝rdig war. In ihrer Verzweiflung warf sie sich in die Arme der einen Person, der sie vertrauen konnte:
Richard, der das krasse Gegenteil von Chase war - hinterh├Ąltig und machthungrig. Diese beiden Seelen ohne Harmonie sahen sich gegen├╝ber und begannen, sich leidenschaftlich zu k├╝ssen. Maggie konnte nicht ahnen, dass dies einer der schlimmsten Tage ihres Lebens werden w├╝rde. Denn kaum hatte sie Richard gek├╝sst, explodierte dessen Villa. Durch den Schock bei der Explosion verlor Maggie ihr Ged├Ąchtnis. Monatelang konnte sie sich an nichts erinnern, nicht einmal an ihre Kinder. Chase nutzte die Situation, um Maggie wieder f├╝r sich zu gewinnen; denn wenn alles vergessen ist, gibt es nichts zu verzeihen. Erst die Begegnung mit Connie Gianinni sorgte bei Maggie f├╝r den heilsamen Schock. Pl├Âtzlich erinnerte sie sich wieder daran, dass ihr Mann sie betrogen hatte, pl├Âtzlich war die Amnesie ├╝berwunden. Sie verzieh Chase. Doch das zur├╝ckgewonnene Gl├╝ck hielt nicht mehr lange.
Ihr authentischer Roman "Pl├Âtzliche Freundschaft", den sie w├Ąhrend ihrer Amnesie geschrieben hatte, war von Richard einem Verlag angeboten worden und wurde ein Bestseller. Maggie, die sich nach ihrer Genesung an die Monate ihres Ged├Ąchtnisverlustes nicht mehr erinnern konnte, war selbst sehr erstaunt, in ihrem Werk von dem geheimnisvollen Unbekannten zu lesen, zu dem sie sich hingezogen f├╝hlte. Sie ├Ąnderte das Ende ihres Buches und erkl├Ąrte Chase zur Liebe ihres Lebens. Solange sie mit Chase verheiratet war, lebte sie ihre Anziehung zu dem mysteri├Âsen Fremden, zu Richard, nie aus, obwohl sie f├╝r beide existierte.
Jeff Wainwright, der Mann, der f├╝r die Public Relation ihres erfolgreichen Buches "Pl├Âtzliche Freundschaft" verantwortlich war, wollte mehr als eine gesch├Ąftliche Beziehung. Er entf├╝hrte Maggie, vergewaltigte sie. Maggie entkam dem Wahnsinnigen, der kurze Zeit darauf bei einem Unfall get├Âtet wurde. Doch sie war schwanger. Sie wusste nicht, ob von Jeff oder von Chase. Sie wollte es auch gar nicht wissen. Nur die Tatsache, dass sie noch einmal Mutter w├╝rde, wenn sie auch Mitte vierzig war, halfen ihr, ├╝ber diese schmerzreiche Zeit hinwegzukommen. Chase hatte kein Verst├Ąndnis f├╝r sie, Richard ermutigte sie, das Baby auf jeden Fall zu behalten. Es war schlimm f├╝r Maggie, als nach Coles Wegzug nach Australien jetzt auch Chase das Haus verlie├č; aber er konnte nicht mit der Ungewissheit leben, dass es vielleicht das Kind eines Vergewaltigers war, das Maggie austrug. Nach der Geburt von Kevin lie├č Maggie einen Vaterschaftstest machen. Ergebnis: Die Blutprobe stimmte nicht mit der von Chase ├╝berein.
Der letzte Versuch, ihre Ehe mit Chase zu retten, indem sie den kleinen Kevin unter diesen Umst├Ąnden zur Adoption freigab, scheiterte. Chase hatte eine neue Freundin. Trennung nach 28 fast immer gl├╝cklichen Ehejahren. Maggie wusste, was sie geleistet hatten: Sie hatten zwei Kinder aufgezogen; Cole war erwachsen, lebte sein eigenes Leben; Vickie war verheiratet, erneut; vielleicht w├╝rde auch sie eines Tages erwachsen werden. Maggie blickte nicht mehr zur├╝ck. Sie war stark genug, damit fertig zu werden. Ein Teil von ihr w├╝rde immer Chase geh├Âren; sie empfand auch nach allem, was er ihr angetan hatte, noch etwas f├╝r ihn.
Doch da war auch Richard. Er war anders als Chase, genau das Gegenteil. Er hatte etwas Verr├╝cktes an sich, das viele Frauen fasziniert. Vielleicht war es die Abwechslung, die Maggie in seine Arme trieb; vielleicht seine romantische Ader, mit der er sie mit unwiderstehlichem Charme f├╝r eine ganz besondere Nacht aus dem Alltag von Tuscany in die Szenerie ihres Lieblingsfilms "Casablanca" entf├╝hrte. Egal. Ein Teil von Maggie hatte sich schon in Richard verliebt, als sie ihn zum ersten Mal vor f├╝nf Jahren gesehen hatte, ein Teil, der bislang nur stark unterdr├╝ckt worden war...
Mittlerweile war zuf├Ąllig herausgekommen, dass die Blutproben beim Vaterschaftstest vertauscht worden waren, Chase doch der Vater von Kevin war. Maggie suchte mit ihrem Noch-Ehemann nach dem gemeinsamen Kind. Sie wurden f├╝ndig: Ihre Ex-Schwiegertochter Melissa hatte durch hinterh├Ąltige Manipulationen das Baby heimlich adoptiert. Bei dem Versuch, sie zu stellen, rastete Melissa aus und fuhr mit dem Auto in die Bucht von San Francisco. Chase und Richard sprangen nach, Kevin wurde gerettet, Richard ebenso. Chase aber wurde von der Str├Âmung mitgerissen und nie wieder gesehen. Maggie schien jedoch ├╝ber Chases Verschwinden ungl├╝cklicher als ├╝ber Richards Rettung gl├╝cklich. Erst jetzt erkannte sie so recht den Verlust, den sie erlitten hatte. Aber Chases Gesch├Ąftsgeheimnisse machten es ihr leichter, dar├╝ber hinwegzukommen, denn er hatte ihr nie erz├Ąhlt, dass er der widerlichen Franz├Âsin Nicole Sauguet $ 30 Mio. schuldete, die diese jetzt forderte.
Richard war fortan ein Teil von Maggies Leben. Sie liebte ihn, sehr sogar. Sie liebte ihn auf eine ganz andere Art, als sie Chase geliebt hatte, und das trotz seiner dunklen Vergangenheit und seiner intriganten Art. Mit ihm f├╝hlte sie sich wieder jung; sie konnte keine Nacht mehr ohne ihn sein. Ihre Beziehung war leidenschaftlich und explosiv. Doch Richards Liebe war gef├Ąhrlich; immer wieder brachte er die, die er am meisten liebte in Gefahr. Das alte Gioberti-Haus, der Traum von Maggies verstorbenem Mann, flog in die Luft, weil jemand versuchte, Richard dadurch umzubringen. Maggie machte es sich daher zum Ziel, Richard zu ├Ąndern und seine guten Seiten zu st├Ąrken. Sie brauchte lange, bis sie seinen Antrag annahm, aber sie tat es, als eine Jugendfreundin von Richard ihn ihr abspenstig zu machen schien. Die Hochzeit war eine Katastrophe, denn Chases Testamentsklauseln brachten Maggies Leben durcheinander. Aber ihr war die Liebe wichtiger. Ob sie erbte oder nicht, war ihr schlie├člich egal. Sie wollte nicht einen Toten ├╝ber ihr Leben bestimmen lassen und heiratete Richard trotz Klausel, wurde eine gute Ehefrau und liebevolle Mutter, auch f├╝r Richards Sohn Michael. Aber so einfach wurde sie dann doch nicht mit Richards Moralvorstellungen fertig: Sie begann zu trinken. Der Alkohol wurde f├╝r sie zun├Ąchst zum Entspannungsmittel, dann zur Droge. Richard half ihr, davon wieder loszukommen. Und so oft er sie auch hinterging, wusste Maggie, dass er sie und ihre Kinder dennoch mehr als alles auf der Welt liebte.
Richards Tod war daher ein schwerer Schock f├╝r Maggie. Doch ein noch gr├Â├čerer Schock war es, als er einige Monate sp├Ąter wieder im Wohnzimmer stand: quicklebendig. Er musste seinen Tod vort├Ąuschen, um eine verbrecherische Organisation auszuschalten, die das Leben seiner Familie bedrohte. Maggie konnte ihm erneut verzeihen, wenn es auch lange dauerte. Zu dieser Zeit ├╝bernahm sie einen kleinen Verlag und pflegte wieder ihre schriftstellerischen Neigungen.
Eines Tages hatte sie aber wirklich genug von Richards Gesch├Ąftsmethoden, hatte es satt, dass er dauernd seine Gesch├Ąfte vor ihr verheimlichte. Sie hatte in fr├╝heren Tagen zwar Angela Gioberti Channing wegen ihrer R├Ąnke nicht gemocht, aber dass Richard immer gegen seine Mutter intrigierte, missfiel ihr, zumal sie in Angela mittlerweile eine echte Freundin gefunden hatte. Sie nahm Kevin und Michael und zog zu ihrer Schwiegermutter. Richard lie├č sich das nicht gefallen. Aber sein Plan, sie dadurch zur├╝ckzugewinnen, indem er ihr das Sorgerecht f├╝r die Kinder entziehen lie├č, scheiterte. Dann wurden eines Tages seine illegalen Gesch├Ąfte aufgedeckt. Er musste ins Gef├Ąngnis. Aber trotz allem, was vorgefallen war, liebte Maggie Richard noch immer. Es schien sogar so, dass ihre Liebe zu ihm umso st├Ąrker wurde, je eindringlicher ihr Verstand sie vor ihrem Mann warnte. Sie konnte auf Dauer weder mit ihm noch ohne ihn leben. Man kann sagen, dass sie ihm hoffnungslos verfallen war. Sie w├Ąre Richard am liebsten beigestanden; ihr Herz schrie f├Ârmlich danach. Doch sie konnte nicht; ihr Verstand sagte nein, und zum ersten Mal folgte sie nicht der grenzenlosen leidenschaftlichen Liebe, die sie f├╝r Richard all die Jahre empfand.
 
Als Richard im Gef├Ąngnis sa├č, erhielt Maggie das Sorgerecht f├╝r die Kinder zur├╝ck. Aber auch diesmal konnte sie nicht umhin: Sie musste sich einfach mit Richard vers├Âhnen. Zu lange war sie nicht mehr mit ihm zusammen gewesen. Ihre Liebe zu ihm war einfach zu stark. Da dachte sie, jetzt k├Ąme ein neuer Anfang. Richard w├╝rde bald aus dem Gef├Ąngnis nach Hause kommen. Sie lag im Badeanzug in ihrem Garten und genoss ein Sonnenbad. Sie war gl├╝cklich - so gl├╝cklich wie schon lange nicht mehr. Michael und Kevin warfen zu dieser Stunde Richards Zinnfiguren beim Spiel in den Swimmingpool. Maggie stieg ins Becken und setzte die Schwimmbrille auf. Ihr schlanker K├Ârper glitt durch den Pool. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfl├Ąche. Maggie sah noch immer attraktiv aus, und dabei war sie doch schon Ende vierzig. Die Soldaten, an denen Richard so hing, Kriegssymbole, t├Âdliche Zinnfiguren - da lagen sie, gleich neben dem Abflussrost. Praktisch, dachte Maggie und hielt sich an dem Gitter fest, um sie aufzusammeln. Sie hatte alle Figuren vom Grund des Schwimmbeckens aufgehoben und wollte den Pool wieder verlassen. Doch der vierkar├Ątige Ring an ihrer linken Hand, den Richard ihr noch kurz zuvor als Liebesbeweis geschenkt hatte, hatte sich am Abflussrost verhakt, und es begann wie ein Albtraum. Maggie versuchte, vom Abflussrost loszukommen. Doch es ging nicht. Es war kein Albtraum, es war Realit├Ąt, grausame Wirklichkeit. Die Soldaten, schoss es ihr durch den Kopf. In Todesangst lie├č sie die Zinnfiguren fallen. Sie zerrte an ihrer linken Hand, sie zerrte mit Leibeskr├Ąften. Wasser, ├╝berall Wasser.
Verzweifelt versuchte sie, sich loszurei├čen. Mit der freien Hand schlug sie im Wasser hin und her. Wenn nur die Kinder oder die Haush├Ąlterin noch am Pool s├Ą├čen und ihr helfen k├Ânnten. Da war ├╝berall so viel Wasser. Doch Maggie gab sich nicht geschlagen. Sie hatte schon so viel durchgemacht in ihrem Leben, auch andere Situationen ├╝berstanden. Nein, das war nicht das Ende, das konnte nicht das Ende sein, so konnte es nicht geschehen, nicht so. Die Sonne schien noch immer. Das Wasser glitzerte. Mit aller Kraft zog sie an der linken Hand. Sie wollte nicht, dass es vorbei ist. Aber es war ├╝berall Wasser. Sie f├╝hrte einen Kampf ums ├ťberleben. Ihr Verstand sagte ihr, dass sie keine Chance mehr hatte, aber ihr Herz war immer noch bei Richard und den Kindern. Es gab doch noch so vieles, was nicht gesagt worden war, so viele unausgesprochene Worte, Gef├╝hle. Sollte denn wirklich alles zu Ende sein? Sollte es so geschehen? Wasser! Wasser! Da war Wasser, so viel Wasser, mehr Wasser und noch mehr Wasser. Maggie unternahm einen letzten verzweifelten Versuch, den Ring vom Finger zu bekommen. Immer mehr Wasser, aber keine Luft. Sie schaffte es nicht. All ihre Bem├╝hungen scheiterten. Wasser. Hilfe! Nein! Luft, Luft, ... Luft!!! Luftblasen stiegen an die Oberfl├Ąche des Swimmingpools. Im gleichen Moment f├╝llte sich ihre Lunge mit Wasser. Und dabei war sie noch nicht einmal f├╝nfzig.