Die "K├Ânigin" von Tuscany Valley -
 
Angela ("Angie") Gioberti Channing Erickson Stavros Agretti
 
 
Eine Charakteristik von THOMAS J. PUCHER

 
 

Angela war eine typische Gioberti. Die Liebe zum Chardonnay, ├╝berhaupt zum Weinanbau lag ihr ebenso im Blut wie das Bestreben, ihr Familienerbe Falcon Crest mit allen Mitteln auszubauen und zu verteidigen. Konkurrenz hasste sie. Die selbstbewusste Frau scheute sich nie, gemeine Intrigen anzuzetteln, um ihre Feinde psychisch oder finanziell in den Abgrund zu treiben. Dabei machte sie sich jedoch niemals selbst die Finger schmutzig, sondern zog es vor, einfach zum Telefonh├Ârer zu greifen und jemanden zu beauftragen, der ihr noch etwas schuldig war oder den man mit Geld leicht kaufen konnte.

Die begeisterte Schachspielerin Angela war also rundum eine liebenswerte, ├Ąltere Dame, die nur ab und zu Spa├č daran hatte, mit infamen Intrigen den Mitgliedern ihrer Familie zu zeigen, wer die Z├╝gel in der Hand hielt. Ab und zu - ein Euphemismus ohne Gleichen. Angela war die Bosheit in Person. Ihre hinterh├Ąltige, durchtriebene Art und ihre gemeinen Mittel, ihre Ziele zu erreichen, sprachen f├╝r sich.
 
Ihr einziger Lebensinhalt war Falcon Crest.
Schon als kleines M├Ądchen begeisterte sie sich, wenn sie nicht gerade mit ihrem weichen roten Teddyb├Ąr spielte, f├╝r den Weinanbau und das Land ihrer V├Ąter. Damals ritt sie oft mit ihrem Gro├čvater Joseph, dem Gr├╝nder von Falcon Crest, durch die Weinberge. Als sie ├Ąlter wurde und ihr Vater Jasper das Weingut geerbt hatte, mischte sie sich schon in die Gesch├Ąftsleitung ein. Sie stellte das Familienunternehmen ├╝ber alles und verga├č dabei, dass es auch noch Menschen gab.

Ihren verweichlichten Bruder Jason hasste sie, weil er ihrer Meinung nach aus Falcon Crest lieber ein Wohlfahrtsinstitut gemacht h├Ątte, anstatt anst├Ąndige Gewinne auf den Konten zu verbuchen; dieser Hass ging so weit, dass sogar allm├Ąhlich ihr Vater Bedenken bekam, ob seine Familie mit diesen Feindseligkeiten nach ihm noch existieren k├Ânnte.

Doch Angela wickelte ihren sonst so gestrengen Vater immer wieder um den kleinen Finger. Am Tisch nahm Angie, deren Lieblingsdessert Zitronenschnitten waren, den Platz der abwesenden Mutter ein - Lily vernachl├Ąssigte ihren Mann und ihre Kinder und verlie├č eines Tages die Familie; und so kam es, dass Angela bald Falcon Crest kontrollierte.

Ein Dorn im Auge war ihr da Jacqueline Perrault Gioberti, die Frau ihres Bruders. Angela bef├╝rchtete, diese Frau k├Ânnte ihren Bruder so aufhetzen, dass er sich dann gegen sie auflehnte. Daher qu├Ąlte sie Jacqueline mit allen m├Âglichen Intrigen, um sie zum Verlassen des Tales zu bewegen, was sie nach zw├Âlf Jahren auch endlich schaffte: Jacqueline ging mit ihrem und Jasons Sohn Chase aus Tuscany weg, allerdings aus ganz anderen Motiven. Angela ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sich die Rache ihrer Schw├Ągerin eines Tages einmal bitter gegen sie wenden w├╝rde...
Sie hatte auch keine Ahnung, es eines Tages noch einmal b├╝├čen zu m├╝ssen, dass sie den Rossinis, einer Winzerfamilie, buchst├Ąblich das Wasser abdrehte, um sie in den Ruin zu treiben und ihre Weinberge ├╝bernehmen zu k├Ânnen.
Nach Jaspers Tod bekamen Angela und Jason Falcon Crest zu gleichen Teilen. Doch w├Ąhrend Angela sich nach wie vor um die Gesch├Ąfte k├╝mmerte, hatte sich ihr Bruder nach dem Weggang seiner Frau und dem damit verbundenen Verlust seines Sohnes immer mehr zur├╝ckgezogen und fristete ein k├╝mmerliches Dasein im alten Gioberti-Haus, das er v├Âllig verkommen lie├č; er war in seinem Ungl├╝ck zum Alkoholiker geworden. Somit hatte sich Angela ihren Bruder elegant vom Hals geschafft und konnte auf Falcon Crest schalten und walten, wie es ihr gefiel.
 
Bis dann schlie├člich ihre Tochter Emma Jason im Weinlager versehentlich von der Empore stie├č und er durch den Sturz in die Tiefe starb. Angela erkannte die furchtbare Situation, in der sie sich jetzt befand. Sie veranlasste ihren treuen Diener Chao-Li, ihren Bruder in dessen Auto zu setzen und den Wagen ├╝ber die Klippen rasen zu lassen, um Jasons wahre Todesursache zu vertuschen. Viel Aufwand, aber er sollte es wert sein, denn an das Testament ihres Vaters schlossen sich mehrere Klauseln an. Eine davon ├Ąnderte die Erbfolge im Falle des Todes von Angela oder Jason. Dem ├╝berlebenden Kind sollten 90 % von Falcon Crest zukommen, den Erben des verstorbenen Kindes nur 10 %; doch das ├╝berlebende Kind w├Ąre nur erbberechtigt, falls das verstorbene eines nat├╝rlichen Todes gestorben war. Angela rechnete sich schnell aus, dass sie die nun ererbten 90 % von Falcon Crest verlieren w├╝rde, sollte jemand in Erfahrung bringen, dass Jason keines nat├╝rlichen Todes gestorben war. Kein Wunder also, dass ihr ihr Neffe Chase Gioberti ein Dorn im Auge war, der jetzt nach so vielen Jahren ins Tuscany Valley zur├╝ckgekommen war, um den Teil von Falcon Crest zu bewirtschaften, den ihm sein Vater vererbt hatte. Sie hatte Angst, er k├Ânnte herausfinden, was wirklich in Jasons Todesnacht passiert war, und dann Eigentumsanspr├╝che auf ganz Falcon Crest geltend machen. Weil ihre mehrfachen Angebote, ihn auszubezahlen, nicht fruchteten, legte sie Chase Steine in den Weg: Er bekam keine Kredite, seine Familie wurde in der Presse durch den Schmutz gezogen. Doch das alles half nichts. Chase fand schlie├člich die Wahrheit heraus und forderte einen wirklich gerechten Anteil an Falcon Crest: genau die H├Ąlfte.
Von jetzt an wechselten die Eigentumsverh├Ąltnisse wahllos hin und her. Chase versuchte, zu seinem Recht zu kommen und das Unheil, das Angela ├╝ber seine Familie brachte, abzuwehren. Angela dagegen bem├╝hte sich, Chase immer mehr zu schaden.
Das Land der Agrettis, einer reichen Winzerfamilie, mit der die Giobertis seit Jahrzehnten verfeindet waren, verlockte Angela schon immer. Sie ├╝berlegte sich schon, ob sie nicht Carlo Agretti heiraten sollte, um den Besitz unter ihre Kontrolle zu bringen, aber eine Heirat zwischen Carlos einziger Tochter Melissa und ihrem Enkel Lance schien ihr da schon besser. Sie zwang Lance, so sehr er sich auch wehrte, Melissa zu heiraten. Doch das brachte nicht den gew├╝nschten Erfolg. Sie kam nicht an Agrettis L├Ąndereien.
 
Aber Angela hatte auch ein Gewissen, wenn auch nur selten:
In jungen Jahren hatte sie Elizabeth Bradbury, die damalige Freundin ihres Bruders, zum Kr├╝ppel gefahren. Seither besuchte sie sie w├Âchentlich.
Dem jungen Dan Fixx f├╝hlte sie sich verpflichtet, weil seine Mutter durch einen von ihr verursachten Autounfall gel├Ąhmt worden war.
 
An dieser Stelle sei aber einmal ein Wort zu Angelas Privatleben gesagt, sofern es ├╝berhaupt eines gab.
Angela war erst 16, als sie bei einem Aufenthalt in Spanien den Griechen Peter Stavros traf. Er war ganz vernarrt in sie; und sie fand ihn auch nicht unsympathisch. Er gab sich alle M├╝he, seine gro├če Liebe bei sich zu halten, aber Angela musste wieder zur├╝ck in die USA. Was ihr in Erinnerung blieb, war eine wunderbare Sommerliebe, die sie nie verga├č. Zwischendurch sah sie Peter sp├Ąter wieder, aber es blieb eben doch nur bei den Erinnerungen von damals.

Ihre erste ernsthafte Beziehung im Tuscany Valley mit Carl Brock scheiterte: Bei der Verlobungsparty geriet er mit seinem Bruder Adam in Streit um Angela und verschwand.
Arthur Masefield, einen ber├╝hmten Maler, der Jasper portraitierte, wies sie trotz seiner Liebesbekundungen zur├╝ck.

Der Mann, dem sie ihr Herz schenkte, war Douglas Channing, der Verleger der Tageszeitung The San Francisco Globe. Doch ihre im Himmel geschlossene Ehe wurde buchst├Ąblich in der H├Âlle gef├╝hrt. Irgendwann trennten sie sich. Freunde blieben sie jedoch immer - erstaunlich, wie gut ihre Freundschaft funktionierte; ihre Ehe dagegen klappte nie, sondern war immer nur ein Spiel zwischen Liebe und Hass.
Julia und Emma, ihre beiden T├Âchter aus ihrer Ehe mit Douglas, bevormundete sie grunds├Ątzlich.
Kein Wunder also, dass die sensible Emma ├╝ber Jahre hinweg v├Âllig ver├Ąngstigt und verst├Ârt war und lange Zeit brauchte, um endlich den Mut zur Selbst├Ąndigkeit zu haben und nicht mehr auf ihre Mutter zu h├Âren.
Julia war dagegen ganz anders: Sie versuchte schon fr├╝h, sich vom Elternhaus zu l├Âsen, und suchte bereits als junges M├Ądchen ihr Gl├╝ck bei dem Weinbauern Dominic Rossini, von dem sie auch bald schwanger wurde. Aber genau dadurch machte sie ihre Situation noch schlimmer. Angela schickte sie zur Geburt des Kindes in ein fernes Kloster und lie├č ihr erz├Ąhlen, ihr Kind sei tot geboren worden. Christopher, Julias und Dominics Sohn, wuchs dann bei den Priestern im Konvent auf.
Irgendwie hoffte Angela wohl, ihn vor einem Leben auf dem von Intrigen verseuchten Falcon Crest besch├╝tzen zu k├Ânnen, und ermunterte ihn als reiche G├Ânnerin zum Dienst in der Kirche, ohne ihm seine wahre Identit├Ąt preiszugeben. Aus Christopher Rossini wurde schlie├člich Pater Christopher. Ihm er├Âffnete sie notgedrungen erst nach vielen Jahren seine wirkliche Herkunft. Sie sah, welch ein Schock dies f├╝r ihren heimlichen Enkel war, dachte aber nie daran, dass auch eine so starke Person wie sie vor einem solchen Unheil nicht sicher sein konnte...
Doch zur├╝ck zu Julia. Sie heiratete Tony Cumson. Auch ihn sah Angela nicht gerne. Durch ihre Intrigen trieb sie ihn schlie├člich dazu, Julia und den gemeinsamen Sohn Lance pl├Âtzlich und ohne ein Wort des Abschieds zu verlassen.

Lance sollte Angelas Erbe werden; entsprechend fr├╝h nahm sie ihn unter ihre Fittiche und machte ihn sich mehr oder weniger h├Ârig. Einmal setzte sie ihn in ihr Testament ein, dann strich sie ihn wieder heraus, wenn er gerade wieder einmal ein zu ausschweifendes Leben gef├╝hrt hatte. Aber meistens kam sie doch ganz gut mit ihm aus. Julia hatte also auch dieses Kind mehr oder weniger an Angela "verloren".

Gefangen auf Falcon Crest, obwohl sie sich so sehr die Freiheit w├╝nschte, wurde Julia durch das von Bosheit und Intrigen verseuchte Umfeld zur M├Ârderin; Angela musste mit dieser Schuld leben und zusehen, wie ihre Tochter zu einem lebenslangen Gef├Ąngnisaufenthalt verurteilt wurde; Angelas einziger Trost war, dass sie Julias Haftstrafe in einen lebenslangen Klosteraufenthalt umwandeln konnte.
In der Erziehung ihrer Kinder hatte Angela also fast alles falsch gemacht. Ob sie auch bei ihrem ersten Kind diese Fehler gemacht h├Ątte? Angela hatte seinerzeit viel gelitten, als ihr und Douglas' Sohn im Kindbett starb, dachte aber heute kaum noch daran.
Doch Angela blieb fast der Atem stehen, als sie nach Douglas' Tod h├Ârte, dass ihr Ex-Mann einen unehelichen Sohn hatte: Richard Channing kam in die Stadt, um die Zeitung The San Francisco Globe zu ├╝bernehmen. Angela wollte Douglas' Erbe f├╝r ihre gemeinsamen T├Âchter Julia und Emma. Doch so weit war es nicht gekommen. Richard Channing, der in Kindesjahren zur Adoption freigegeben worden und bei einem Mann namens Henri Denault aufgewachsen war, wurde Angelas bitterster Feind. Seine Methoden waren den ihren ├Ąhnlich, auffallend ├Ąhnlich, zu ├Ąhnlich; irgendwie schienen sie fast die gleichen Gedankeng├Ąnge zu haben, um sich gegenseitig zu ruinieren. Er machte sie f├╝r den Verlust einer gl├╝cklichen Kindheit verantwortlich. Statt dessen war er adoptiert worden, und er wusste nicht einmal, wer seine leibliche Mutter war. Angelas alte Feindin Jacqueline Perrault sorgte f├╝r eine ├ťberraschung und erkl├Ąrte, sie habe mit Doug eine Aff├Ąre gehabt und sei Richards Mutter. Angela war zu diesem Zeitpunkt so w├╝tend wie noch nie in ihrem Leben. Einmal sagte sie, wenn Richard ihr Kind gewesen w├Ąre, h├Ątte sie ihn nach der Geburt ertr├Ąnkt. Sie ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, was sie da sagte; es sollte n├Ąmlich noch viel schlimmer kommen...

Phillip Erickson war lange Jahre Anwalt der Opernfreundin und dar├╝ber hinaus ihr Freund. Doch n├Ąher lie├č Angela ihn nie an sich heran. Es dauerte lange, bis auch sie ihm ihre Liebe gestand. Doch nur wenige Tage nach der Hochzeit starb Erickson bei einem Flugzeugabsturz.

 
Zur├╝ck zu Falcon Crest:
Als sich Francesca Gioberti als Angelas Halbschwester entpuppte und dementsprechend ihren Erbteil an Falcon Crest forderte, war Angela jedes Mittel recht, Francescas Anteil in ihren Besitz zu bringen. Doch ausgerechnet Richard Channing kaufte Francescas Anteil. Um Chase und Richard, die ungeliebten Partner, loszuwerden, trieb sie Falcon Crest beinahe in den Konkurs, um mit ihrem Privatverm├Âgen die beiden auszuzahlen und Alleinherrscherin ├╝ber das Weingut zu werden; doch sie versch├Ątzte sich: Anna Rossini, die noch eine alte Rechnung mit Angela offen hatte, gab jetzt den Ton auf Falcon Crest an, da ihre Tochter Cassandra Wilder Chases und Richards Schuldscheine besa├č. Der Schuss ging f├╝r Angela nach hinten los. Aber sie bekam ihr Falcon Crest schlie├člich nach einiger Zeit wieder.
 
Peter Stavros half ihr dabei. Nach all den Jahren heiratete sie endlich ihre gro├če Liebe. Sie waren gl├╝cklich - zumindest, bis Richard ihre Ehe beinahe ruinierte: Peter reichte schon die Scheidung ein. Doch als sie sich vers├Âhnten, musste Peter heimlich das Land verlassen, weil gegen ihn eine Anklage wegen Totschlags lief. Diesmal half ihm Angela und charterte ein Flugzeug, um ihn auf seine griechische Insel fliegen zu lassen. Peters Liebe zu seiner Frau war so gro├č, dass er die Scheidung weiterlaufen lie├č, um ihr zu erm├Âglichen, eventuell noch einmal zu heiraten.
 
Mit ihrer gesch├Ąftlichen Situation h├Ątte sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich zufrieden sein k├Ânnen, aber die Tatsache, dass ihr Neffe Chase noch immer 50 Acres Land besa├č, die fr├╝her einmal zu Falcon Crest geh├Ârt hatten, und er mittlerweile auch ein anderes Weingut gekauft hatte, mit dem er gro├čen Erfolg hatte, trieben sie an, ihn weiter zu bek├Ąmpfen. Ihn und seine Frau Maggie zu verletzen, war ihr ein Genuss. Sie sah es gerne, dass sie sich inzwischen auseinandergelebt hatten, und hoffte, die beiden nun umso leichter aus dem Weg r├Ąumen zu k├Ânnen. Chase warnte sie, doch er konnte seine Drohung nicht mehr wahr machen, weil er bei dem Versuch, die Opfer eines Autounfalls aus dem Hafenbecken von San Francisco zu retten, von den Fluten mitgerissen wurde und verschollen blieb. Ein geschmackloser Kondolenzbesuch bei seiner Witwe Maggie war ein erneuter Beweis f├╝r Angelas arrogante und herablassende Art.
 
Genau zu jener Zeit kam f├╝r Angela die wohl gr├Â├čte Katastrophe in ihrem Leben ans Tageslicht:
Ein Gest├Ąndnis von Douglas Channing tauchte auf, das besagte, dass Angelas erstes Kind, das angeblich so kurz nach der Geburt gestorben war, von Douglas und Jacqueline aus Hass gegen Angela entf├╝hrt wurde: In Wirklichkeit war also nicht Jacqueline Perrault, sondern Angela die Mutter von Richard Channing. So stark Angela auch war, diesen Schock konnte sie kaum ├╝berwinden. Sie setzte alles daran, zu verhindern, dass Richard die Wahrheit erfuhr, doch eines Tages musste sie es ihm sagen, auch wenn f├╝r sie ihr Sohn seit 45 Jahren tot war. Sie lehnte ihn brutal ab, obwohl sie tief in ihrem Inneren schon immer Bewunderung f├╝r ihn empfunden hatte, weil er, ├Ąhnlich wie sie, mit eiserner Energie f├╝r seine Ziele k├Ąmpfte.
Maggie und Angela wurden im Laufe der Zeit Freundinnen, obwohl durch eine Testamentsklausel Chases gesamte Hinterlassenschaft in Angelas H├Ąnde fiel, und das zu dem Zeitpunkt, als aus Maggie und Richard ein Ehepaar wurde. Schlie├člich raffte sich Angela dazu auf, vor ihrem Sohn ihre Gef├╝hle f├╝r ihn nicht mehr zu verstecken. Au├čerdem durfte sie danach endlich Kontakt zu ihrem Enkel Michael, Richards Sohn, haben, den sie sehr lieb gewonnen hatte, ebenso zu Maggies Sohn Kevin, den Richard nach der Heirat adoptiert hatte.
 
Melissa hingegen hatte sich inzwischen zu einer au├čerordentlich gef├Ąhrlichen Feindin entwickelt, die Angela nicht untersch├Ątzen durfte. Mittlerweile von Lance schon zwei Mal geschieden, trieb sie mit dem Verkauf der begehrten Agretti-Weinernte j├Ąhrlich ein gef├Ąhrliches Spiel. Angela hatte es satt, anzusehen, dass Melissa mit ihren Agretti Vineyards Falcon Crest Konkurrenz machen k├Ânnte, und versuchte, sie durch Psychoterror ins Irrenhaus zu bringen. Als Melissa Angelas schmutzige Tricks aufdeckte, zahlte sie es ihr heim - mit Hilfe des toten Chase: Er hatte ihr testamentarisch einen Schl├╝ssel hinterlassen, der den Ruin des Gioberti-Verm├Âgens herbeif├╝hren sollte. Melissa fand mit Hilfe von Lance und ihrem Onkel Frank Agretti das passende Schloss an einer Stahlkassette; das darin verwahrte Dokument bewies, dass Falcon Crest den Agrettis geh├Ârte. Resultat: Das Nachlassgericht sprach Melissa Falcon Crest zu. Angela glaubte nach dem anf├Ąnglichen Schock, Melissa Falcon Crest ├╝berlassen zu k├Ânnen und den Mut aufzubringen, jetzt im Alter Tuscany Valley f├╝r immer zu verlassen, um mit Peter Stavros nach Griechenland zu gehen und dort einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Doch so gro├č ihre Liebe zu Peter auch war, sie konnte Falcon Crest nicht verlassen. Mit einem gemeinen Trick zog Angela die Echtheit der Urkunde in Zweifel und trieb Melissa schlie├člich wirklich in den Wahnsinn und damit letztendlich in den Selbstmord. Doch Melissas Ende war auch das Ende des von Angela so geliebten Herrenhauses von Falcon Crest: Melissa hatte es niedergebrannt.
Angela tat es in der Seele weh, mitansehen zu m├╝ssen, was Melissa "ihrem" Weingut angetan hatte, wie sie das Werk von Generationen von Giobertis einfach zu nichte gemacht hatte. Von Franks Sohn Nick Agretti, der als Melissas Cousin das Erbe f├╝r ihren minderj├Ąhrigen Sohn Joseph verwaltete, erschwindelte sie "ihr" Weingut zur├╝ck und baute die zerst├Ârte Villa wieder nach den Pl├Ąnen ihres Gro├čvaters auf. Die Tatsache, dass die Agrettis seinerzeit Falcon Crest erschwindelt hatten, was die Existenz der von Melissa gefundenen Urkunde erkl├Ąrte, machte jedoch Angelas, wenn auch moralisch gerechtfertigen, Betrug noch nicht legal. Nick Agretti wollte es ihr heimzahlen, als er dahinterkam. Doch seine Bem├╝hungen scheiterten.
 
Richard hatte hingegen noch nicht die Konflikte vergessen, die er mit seiner Mutter ausgetragen hatte. Als Angela Richards Gier nach Falcon Crest zu sp├╝ren bekam, verga├č sie alle m├╝tterlichen Gef├╝hle und nahm den Kampf gegen ihn wieder auf, mit dem Resultat, dass sie von Richard entf├╝hrt wurde. Er stellte ihr eine Doppelg├Ąngerin Melissas als die angeblich nur totgeglaubte Melissa Agretti vor, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Was sie seinerzeit bei Melissa versucht hatte, passierte nun auch ihr selbst: Angela kam in eine psychiatrische Anstalt und wurde entm├╝ndigt.
Ihr letzter Schritt, um zu verhindern, dass Richard sie f├╝r den Rest ihres Lebens kontrollierte, war, Frank Agretti, den einzigen Agretti, mit dem sie sich gut verstand, zu heiraten, um sicher zu gehen, dass er die Vormundschaft f├╝r sie bekam. Schon bald kl├Ąrte sich alles auf, und Angela konnte aufatmen, weil Richard f├╝r seine Betr├╝gereien ins Gef├Ąngnis musste. Doch wie Trag├Âdien die Familie auf Falcon Crest immer wieder zusammenf├╝hren, so geschah es erneut. Als Maggie auf tragische Weise starb, vers├Âhnte sich Angela mit ihrem Sohn.
Daf├╝r bereitete ihr ihre Tochter Emma nun Kummer mit einem neuen Liebhaber: Charley St. James. Um Emma und Falcon Crest unter seine Kontrolle zu bringen, versuchte er, Angela aus dem Weg zu r├Ąumen, indem er ihr ein Kissen aufs Gesicht presste, bis sie in Ohnmacht fiel. Als Charley im Krankenhaus auch noch f├╝r einen Stromausfall sorgte, versagte die Herz-Lungen-Maschine, an die Angela angeschlossen war. Die Folge war f├╝r Angela fatal: Sie fiel ins Koma. Die ├ärzte hatten keine Hoffnung mehr. Doch Angela war stark, trotz ihres Alters st├Ąrker als jeder geglaubt hatte. W├Ąhrend auf Falcon Crest die schlimmsten Dinge in dessen Geschichte passierten, lag sie bewusstlos in der Klinik.
 
├ärzte und Pflegepersonal trauten ihren Augen nicht, als Angela nach ├╝ber einem halben Jahr einfach wie nach einem kleinen Nickerchen aus dem Koma erwachte und es ├Ąu├čerst eilig hatte, das Krankenhaus zu verlassen. Nicht einmal die Familie sollte verst├Ąndigt werden. Angela informierte sich ├╝ber alles, was w├Ąhrend ihrer Abwesenheit vorgefallen war, und erfuhr, dass inzwischen Richard, der schon lange aus dem Gef├Ąngnis entlassen worden war, Falcon Crest besa├č. Von ihrer Energie hatte sie nichts verloren, und so nahm sie den Kampf wieder auf und brachte ihren Sohn dazu, ihr Falcon Crest zu ├╝bereignen. Testamentarisch sicherte sie Lance, Michael und Kevin Falcon Crest als Erbe zu.
Chao-Li, der l├Ąnger als irgendjemand bei ihr war, erz├Ąhlte sie von ihrer langen Krankheit: Das Koma war f├╝r sie wie ein endloser Traum gewesen. Alle waren da - Chase, Maggie, Melissa,... - alle, mit denen sie in ihrem Leben gek├Ąmpft hatte. Doch als sie im Koma lag, waren sie alle zusammen gl├╝cklich; Friede herrschte zwischen ihnen, und alles war erf├╝llt von Lachen, von herzerfrischendem Lachen. Angela hatte vorher niemals begriffen, was es hie├č, in Frieden zu leben, nie erfahren d├╝rfen, was Gl├╝ck hie├č, wirkliches Gl├╝ck, au├čer vielleicht mit Peter. Ihn w├╝rde sie nie vergessen. Mit ihm verbrachte sie die gl├╝cklichste Zeit ihres Lebens. Vielleicht war ihre Liebe f├╝reinander so stark, weil sie so lange Zeit Tausende von Kilometern getrennt waren. Aber diese Liebe ├╝berdauerte alles, sie hielt ein ganzes Leben. Dieses Gl├╝ck w├╝nschte sich Angela jetzt. Wer wei├č, vielleicht w├╝rde es ihr die Zukunft bringen, jetzt, da sie wusste, was wirklich im Leben z├Ąhlte. Vielleicht w├╝rde sie ja bald nach Griechenland zu Stavros fahren. All diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf, als sie die Hochzeitszeremonie von Richard und seiner neuen Liebe Lauren verfolgte, die sie auf Falcon Crest ausgerichtet hatte.
In Freude und Dankbarkeit blickte sie nun auf ihr Leben zur├╝ck und freute sich auf das bevorstehende Wiedersehen mit ihrem langj├Ąhrigen Freund Frank und mit ihrer Tochter Emma, die bald mit ihrer soeben geborenen Tochter Angela nach Falcon Crest zur├╝ckkehren wollte; in hoffnungsvoller Erwartung blickte sie auf die Schwangerschaft von Lances neuer Ehefrau Pilar; dankbar begriff sie, dass sie sich nach all den Jahren zum ersten Mal mit Richard verstand. Die Vergangenheit hatte ihren Platz in Angelas Herz, aber sie schaute auch in die Zukunft und hoffte, dass nun f├╝r alle auf Falcon Crest ein Leben ohne Hass in Frieden und Gl├╝ck m├Âglich w├Ąre, um das Familienerbe sicher zu bewahren. Denn Menschen kommen und gehen, aber das Land bleibt f├╝r immer...